Erinnerung an Arbeit/Oberschlesien

Drogaodroga przemysłowa13
Dramatische Installation über Geschichte und Gegenwart von Arbeit
Europa Oculta I

Eröffnung: 8. Juni 2013, 16:00 Uhr
Szopienice/ Katowice


Die Industrielandschaft von Oberschlesien spiegelt exemplarisch die europäische Industriegeschichte und die kulturellen Folgen polnisch – deutscher Geschichte. Sie eignet sich besonders, um Fragen zu stellen, die den Menschen und sein Verhältnis zu Arbeit und kultureller Identität in den Mittelpunkt stellt. Das vorliegende Projekt hat bereits in einer deutschen Fassung mit ungewöhnlichem Erfolg und großer Publikumsresonanz in Deutschland/ Essen/ Weltkulturerbe Zollverein stattgefunden. Es wurde grundsätzlich überarbeitet und auf die Verhältnisse in Oberschlesien einjustiert. Durch die Huta Cynku/Walcownia in Szopienice hat sich ein bedeutender Ort angeboten, um die vorliegende Geschichte zu erzählen. Der Ort ist erst seit zehn Jahren stillgelegt, die vorhandenen Maschinen sind noch funktionsfähig- Das Klima der Arbeit , die heutige Umwandlung in ein Industriedenkmal und Museum machen es zu einem Ort der Symbiose von Arbeit, Erinnerung und Utopie.

Das Projekt lässt sich in
vier Themenkreise fassen:

- welche Möglichkeiten der Sinnstiftung bietet man Menschen an, nachdem die Ideologie der Arbeit als zentrale Sinnfrage ausfällt?

- Warum werden an ehemaligen Orten der Schwerindustrie die größten Shopping Malls gebaut, obwohl dort viele Menschen ohne Arbeit und Einkommen sind?

- Welche Chancen und Fragen verbinden sich mit der so genannten „kulturellen Nachnutzung“ der ehemaligen Orte der Schwerindustrie?

- Wie geht man mit den hinterlassenen Spuren, der beschädigten, vergifteten Erde um? Zeige Deine Wunde stellt die künstlerische Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur.

Emotionaler Ausgangspunkt für die Zuschauer ist das vorherrschende Gefühl der Angst und Ohnmacht, wenn sie sich mit der Abstraktion von Finanzkrisen, der Bedrohung des Euro und der EU konfrontiert sehen, ohne einschätzen zu können, wie ihre eigene Existenz dadurch beeinflusst oder bedroht wird.

Das Angebot zur Bestimmung der eigenen Identität verbindet sich nicht mehr primär mit Arbeit. Der moderne Ersatz ist Konsum.Der polnische Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman hat diese Verlagerung der Identitätsbestimmung mit ihren Folgen für die Grundelemente der europäischen Kultur untersucht.

Das Verhältnis von Arbeit zu Kapital, von Arbeitnehmer zu Arbeitgeber spiegelt die immer größer gewordene Abstraktion. Stahlbetriebe, die früher bis zu 5000 Arbeiter beschäftigt haben (z.B. Stahlwerk Katowice) werden heute von einer kleinen Belegschaft geführt, riesige Hallen von 8 Leuten und vor allem von Computern gesteuert, obwohl sich die Produktion erheblich gesteigert hat. Die Globalisierung zeigt sich da, wo der momentane Besitzer des größten Stahlwerks Polens der Inder Lakshmi Mittal ist. (Mittal Steel Ruhrort/Mittal Steel Hochfeld).

Die Unfassbarkeit der Abstraktion bekommt einen realen Boden vor dem Hintergrund der Industrie- und Wirtschaftsgeschichte der letzten 200 Jahre. Grundsätzliche Elemente dieser Industriegeschichte finden sich in dem berühmten und preisgekrönten Roman von Erik Reger „Union der festen Hand“ wieder – geschrieben in den 20iger Jahren bei Krupp -, der im Jahr 2003 Ausgangspunkt für eine theatralische Konfrontation mit dem „Welterbe Zollverein“ und anderen ehemaligen Orten der Schwerindustrie zwischen Kohle und Stahl war, zwei davon ausgezeichnet als Weltkulturerbe. Der Roman besteht zu einem großen Teil aus Originalzitaten der entscheidenden Wirtschaftsführer, die die Umbrüche der industriellen Entwicklung zwischen industrieller Revolution und Globalisierung markieren. Sie waren gleichermaßen in Deutschland wie in Oberschlesien bestimmend. Auch wenn es Originalzitate deutscher Industrieller sind stehen sie doch exemplarisch für die Entwicklung in anderen Industrieländern. Über Friedrich Krupp, Hugo Stinnes und Friedrich Flick lässt sich die Entwicklung in die Gegenwart weiterziehen bis zu Reaktionen auf die Verselbständigung der Finanzwelt und sich anbahnende weltweite Gegenreaktionen wie die „Occupy“ Bewegung.

Das bearbeitete Filmmaterial der Theatralisierung der Industriestandorte wird nicht als Dokumentation der früheren Veranstaltungen eingesetzt, es wird zur sprechenden Geschichte. Viele Passagen bieten sich als hervorragende Visualisierung der Industriegeschichte in der Verbindung zwischen Originaltexten und Originalschauplätzen der Industriegeschichte an. Es wird möglich, den Weg von der Industrialisierung und der damit verbundenen Idealisierung von Arbeit als ‚zentraler Sinnstiftung für den Menschen’ zu verfolgen bis zur immer größer werdenden Abstraktion im Rahmen der Globalisierung und den Verlust der Arbeit, - immer im sinnlichen Kontakt mit den ehemaligen Orten der Arbeit, ihrer Stillegung und möglichen kulturellen Nachnutzung.

Die DRAMATISCHE INSTALLATION umfasst einen großen Zeitraum, aber fokussiert ihre Fragen auf die Befindlichkeit des einzelnen Menschen und seine gegenwärtige Position im kulturellen Gefüge der Gesellschaft. Sie fragt danach, was wird den Menschen heute angeboten als Sinnstiftung ihrer Existenz, nachdem die Orte der Massenarbeit stillgelegt sind – ist es der Konsum und als hohes Bild davon: sind es Shopping Malls? Welchen Einfluss hat das auf den kulturellen Konsens der Gesellschaft?

Es ist kein Zufall, dass vielen Orten und Bauten der Arbeit ein sakraler Charakter gegeben wird. Die Verbindung von Religion und Arbeit sollte die Sinn stiftende Bedeutung von Arbeit für die Existenz des Menschen belegen und verstärken. Der Spielort von „Erinnerung an Arbeit“ in einer Fördermaschinenhalle auf Zollverein vermittelte anolog zu Fördermaschinenhallen in Oberschlesien die Wirkung einer romanischen Kirche – romanisch gezielt gesetzt, weil Religion da noch in der Mitte des Körpers lokalisiert wurde und nicht - wie in der Gothik - nach oben in den Kopf zum Himmel.

Im Walzwerk der Huta Cynku in Szopienice befindet sich am Ende der Halle über den Zinköfen eine große Rosette, die zusammen mit der Verteilung der Fenster den Eindruck einer Kathedrale bewirkt.

 





Die DRAMATISCHE INSTALLATION besteht aus zwei Teilen: aus Teil 1= 13 Stationen außerhalb der Halle, dem Weg zur Halle und Teil 2=die Halle selbst als 14. Station.

ZEIT UND ORT DER INSTALLATION
Die dramatische Installation findet auf einem großen Feld mit 13 Stationen vor der Halle und in der Halle der Walcownia der Huta Cynku in Szopienice als 14. Station statt.
Laufzeit 8. Juni bis zum 22. Juni 2013.

Die ERÖFFNUNG ist am Freitag, den 08. Juni 2013 um 16:00 – als inhaltliche Schwerpunktveranstaltung der INDUSTRIADA /Oberschlesien

Fortsetzung: pdf

Zeige Deine Wunde: pdf

Links

www.facebook.com/cameralis

www.drogaprzemyslowa13.pl

www.dziennikteatralny.pl

Künstlerische Leitung
Stephan Stroux

Projektleitung Kooperation
ARS CAMERALIS SILESIA SUPERIOR
mit europa oculta gbr.

Partner Polen:
Huta Cynku Szopienice
Stadt Katowice
Wojewodschaft Oberschlesien
Kultusministerium Polen
Adam Mickiewicz Institut
Klopsztanga – Polen grenzenlos NRW
Silesian Museum

Partner Deutschland:
Kultusministerium NRW
Ruhr Museum Essen
Bundeszentrale für politische Bildung
Industriemuseum LWL
Oberschlesisches Landesmuseum