KULTURA | 08.06.2009
Historyczny "Dialog sztuki"

Symboliczne palenie ksi±¿ek na Bebelplatz, czerwiec 2009
Symbolische Verbrennung der Bücher auf dem Bebelplatz, Juni 2009

Die Berliner Stiftung "Brücken im Fluss" und die Warschauer Stiftung Fundacja Kultury erinnern an drei dieses Jahr bewegende Jahrestage

Der künstlerische Dialog, der in Berlin stattfindet, wächst auf dem Boden wichtiger Jahrestage, die im Jahr 2009 stattfinden: 70 Jahre Überfall des Hitler - Deutschlands auf Polen, 65. Jahrestag Beginn des Warschauer Aufstands, 60. Jahrestag der Deutschen Verfassung und 20 Jahre des Aufbruchs im Jahr 1989.
Stephan Stroux versammelt in seinem Oeuvre viele auf der ganzen Welt von ihm als Regisseur inszenierte Vorstellungen und theatralische Projekte. Seine Spezialität scheinen Inszenierungen im öffentlichem Raum zu sein, wie z. B. "der Untergang der Titanic", ein Stück, das auf dem Roman von Hans Magnus Enzensberger basiert und u. a. in Montreal und Weimar realisiert wurde oder das im Jahre 2006 in Warschau präsentierte Projekt über den Warschauer Aufstand: "Virtuelle Brücke in der Weichsel", für das der Regisseur das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen verliehen bekam.
"Ich habe es mit Stolz und sehr großem Respekt entgegengenommen, vor allem, weil sich das Projekt auf das sehr sensible Thema des Warschauer Aufstands bezog. Gerade über dieses für die polnische Identität so zentrale Geschehen müssen wir auch in Berlin, in Deutschland reden, weil wir Deutschen darüber wenig oder gar nichts" wissen- sagt Stephan Stroux.

Tango na Bebelplatz - w ramach "Dialogu sztuki"
Tango auf dem Bebelplatz im Rahmen des "Dialogs der Kunst"

Sztuka w miejscach obci±¿onych histori±
Kunst an Orten, die mit Geschichte besetzt sind

Die Fortsetzung dieses künstlerischen Dialogs zwischen Deutschland und Polen, der mit "Virtuelle Brücke in der Weichsel" begann, findet als ein Zyklus von drei Inszenierungen statt, die in diesem Jahr in Berlin präsentiert werden. Die erste Vorstellung mit dem Titel "und dann. die Rechtfertigung der Gewalt" fand Ende Mai auf dem Bebelplatz statt, dort, wo am 10. Mai 1933 die Werke von Bertolt Brecht, Heinrich Heine und Erich Maria Remarque und vielen anderen Autoren, die auf der schwarzen Liste der Nazis: der "entarteten Werke" standen, im Feuer verbrannt wurden. Die nächsten Inszenierungen mit den Titeln "Sehnsucht leben ein Ausnahmezustand" und "Zukunft ohne Kriege" sind für den 31.Juli im Schlüterhof der DHM, einen Tag vor dem Beginn des Warschauer Aufstands und am 1.September, dem Jahrestag des Angriffs auf Polen, in einem alten Pumpenhaus an der Spree, heute - das Zentrum für neue Kunst "RadialsystemV" geplant. Die "Kulissen"(Orte) der Inszenierungen, meistens geschichtlich bedeutende Orte, spielen in der Arbeit von Stephan Stroux eine sehr wichtige Rolle:
"Die Orte rufen Assoziationen hervor, damit verbunden persönliche Erinnerungen, Emotionen. - z. B. das DHM/ Zeughaus / Schlüterhof/ befindet sich in einem alten Militärarsenal der preußischen Armee und im Jahr 1939 - zu dem Zeitpunkt des Kriegsbeginns fand dort eine Militärausstellung statt. Gleichzeitig verbindet sich mit der deutschen Militärmaschinerie der Warschauer Aufstand. Der 31. Juli ist der 90. Jahrestag des In-Kraft-Tretens der Weimarer Verfassung - Grundlage des demokratischen Staates. Auf der eine Seite ein Versuch, die Demokratie zu bauen, auf der anderen Seite - sie zu vernichten".

Widzom trzeba zaufaæ

Lód i ogieñ - nawi±zanie do zniewolenia literatury w czasach nazistowskich
Eis und Feuer - Anspielung an die Unterdrückung der Literatur während der Nazizeit

Die Projekte von Stephan Stroux sind voll von Anspielungen, die vielleicht nicht immer sofort für den Zuschauer verständlich werden, vor allem, weil an einem öffentlichen Ort wie dem Bebelplatz, der immer voller Touristen und zufälligen Passanten ist, nicht jeder auf so eine Fülle von Assoziationen, Emotionen und Effekten vorbereitet ist. In der fast dreistündigen Inszenierung auf dem Bebelplatz lasen polnische und deutsche Schauspieler Fragmente aus Büchern der schwarzen Liste der Nazis, Texte aus dem Warschauer Aufstand und Texte, die an Friedrich den Grossen, den Krieg im Irak, Folter und Rassismus anknüpfen. Es gab Filme und Video-Performance, Feuer und ein aus dem Eis befreites neues Buch, hervorragende Musik der Zigeunergruppe Roma Terno aus Gorzow Wielkopolski und Klezmer der Gruppe "Transkapela" aus den Karpaten.

"Ich denke, wir sollten Vertrauen auf das emotionale Gedächtnis der Zuschauer haben. Der Zuschauer ist imstande viel mehr wahrzunehmen als nur die auf die Oberfläche zielende Erzählung. Wir versuchen eine Komposition zu schaffen, die bei der Aufnahme der Person Assoziationen auslöst, die auf ihren eigenen Erlebnissen, ihre eigenen Emotionen gründen/basieren" - erklärt Stephan Stroux.
Es sind dann auch unerwartete Reaktionen, wie die von einem Berliner mit älterem Sohn, die aus Neugierde gekommen sind, weil sie zum ersten mal eine Exkursion nach Polen machen. Wie der Vater zugab, er weiß nicht so viel über die Geschichte von Polen, vielleicht wird er jetzt mehr darüber erfahren. Tief bewegt hat die Inszenierung Miriam aus New York erlebt, die mit ihrem Mann erst zum zweiten Mal nach Berlin gekommen ist. Fast ihre ganze Familie ist von Nazihänden ermordet worden, erst vor zwei Jahren haben sie sich entschieden zum ersten Mal nach Deutschland zu kommen: "Es ist ein sehr notwendiges Projekt. Man muss die Geschichte jedem Erwachsenen, jedem Kind, jeder Generation bewusst machen. Immer und immer wieder, ohne Ende" - fordern sie.
Im Rahmen des Projekts wird ein zweisprachiges Buch "Das wahre Ende des Krieges liegt vor seinem Anfang" (das aus dem Eis befreite Buch) mit Texten von 5 polnischen und 5 deutschen Autoren, u. a. von Volker Braun, Matthias Göritz, Jacek Dehnel, Marian Pankowski und Magdalena Tulli veröffentlicht.

El¿bieta Stasik / ma